Rallyes

Grand Erg - Wie bei den Profis!

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12.05.2008 - Bei der Grand-Erg Rallye liefern Amateur-Fahrer und das Organisationsteam ein spannendes Rennerlebnis, das mit den großen Profirennen durchaus mithalten kann!

Bereits auf dem Weg nach Marseille erlebte der 19 PKW’s und 3 LKW’s starke Rallye-Troß eine Überraschung: einer der beiden Besenwagen blieb auf der Autobahn defekt liegen! Mit größtem organisatorischen Aufwand konnte das Orga-Team um Jörg Russler über Nacht ein Ersatz- Bergungsteam rekrutieren! Am Ziel angekommen lief auch der kurzfristig notwendig gewordene Plan B sehr gut- Russler hatte entschieden, Teile der Rallye –Strecke aus dem Grenzgebiet zu Algerien ins tunesische Landesinnere zu verlegen, nach dem vor nicht allzu langer Zeit die Entführung zweier österreichischer Touristen in El Borma für Unruhe gesorgt hatte.
Obwohl alle Streckenposten-Pläne deshalb kurzer Hand geändert werden mussten, verlief das Rennen geregelt und bestens organisiert.

2.5.2008,1. Etappe:
Tunis- Tataouine, 510 Kilometer

Am ersten Renntag stand lediglich eine Gleichmäßigkeitsetappe auf dem Programm, auf der sich Fahrer und Maschinen auf das heiße Klima und das sandige Gelände einstimmen konnten.

3.05.2008, 2. Etappe
Tataouine – Douz, 209 Kilometer

Viele kurze, aber heftige Dünenkämme gab es am zweiten Tag zu überqueren. Im Hotel Touareg in Douz waren deshalb am Abend viele Teams heftig am Schrauben! Roland Jägers Mitsubishi hatte gleich nach 40 km einen Wasserkühlerschaden und wurde per Huckepack auf dem Besenwagen ins Service-Camp gebracht. Jakobi verlor viel Zeit, weil er sich aus einer Trichterdüne befreien musste.
Auf der ersten richtigen Rennetappe musste dann zum Schrecken der Organisation auch gleich das medizinische Team um Simon Hopf ausrücken: das Team Müller/ Müller erwischte unglücklich eine Senke, der wagen wurde in die Luft katapultiert, der Wagen überschlug sich mehrfach und blieb schließlich auf der Seite liegen. Das dahinter liegende Team Jakobi/ Untersteller konnten Frau und Herrn Müller aus dem demolierten Wagen bergen. Auch das Ärzteteam traf schon kurze Zeit nach dem Unfall ein. Wie sich herausstellte, hat ihnen der neu vorgeschriebene Käfig das Leben gerettet! Erleichtert über den glimpflichen Ausgang des Unfalls wurde das Ehepaar Müller am Abend im Hotel vom ganzen Rallyetroß in Empfang genommen, bevor die Beiden wohlbehalten die Heimreise antraten.
Für die Österreicher Erwin Müller und Thomas Bauer war dank eines Motorschadens am Hekla Toyota die Rallye bereits nach wenigen Kilometern beendet.
Das Taubenreuter Team Wolfgang Maier und Herwig Zach hatten einige Probleme mit ihren Bremsen zu verzeichnen, dennoch liegen die Österreicher noch gut im Rennen.
Die Vorjahressieger Henning / Leardi konnten die erste Etappe für sich entscheiden.

4.05.2008, 3. Etappe
Douz- Zmela, 110 km

Das „Schweizer Uhrwerk“ Hennig/ Leardi fuhr am gestrigen Tag nach GPS statt nach Roadbook und verpassten damit prompt zwei Stempel, so dass die beiden einiges an Strafminuten kassierten. Am Abend im Camp zeigten sich die Schweizer enttäuscht über ihren eigenen Fehler.
Malzer-/ Mühlbach, die mit Low-Budget und einem Nissan WHYD 21 an den Start gegangen waren, bewiesen, dass sie mit den Sanddünen prima zurecht kamen und Jakoby / Untersteller hefteten sich sogar an die Fersen der Debütanten.
Für Begeisterung sorgte am Abend das schöen Biwak in Zmela- für jedes Team gab es ein eigenes Berber-Zelt, vershen mit der Startnummer und mitten in den Dünen erwartete die Teilnhemer ein erstaunlich sauberes und schönes Dusch- und Toilettenhuas. Ein leichter Sandsturm drückte die Stimmung ein wenig, denn das Essen musste in einen Hangar verlegt werden- doch eine Vorführung tunesischer Folklore sorgte für einen schönen Ausklang des dritten Renntages.
Das Team Jäger/ Herrman erreichte das Biwak wieder mit dem Besenwagen und die ernüchternde Diagnose ihrer Service-Mannschaft vom Team Schreck-Sport hieß: Getriebe-Simmering undicht! Das bedeutete das Aus und Roland Jäger war so frustriert, dass er so schnell wie möglich zum Golf- Club Al Diana nach Nabeul wollte.

5.05.2008, 4.Etappe
Zmela- Tembaine,132 Kilometer

Am vierten Renntag wartete die Rallye mit der härtesten Strecke, auch genannt die Karl-Schreck-Gedächtnis-Strecke genannt. Karl hat sich vor Jahren dort mit seinem Unimog in den Dünen überschlagen. Hohe und viele Dünen türmten sich vor den Teilnehmern auf und Russler bereitet die Fahrer darauf vor, dass eine Übernachtung in den Dünen für einige notwendig werden könnte.
Beim Einstieg in die Dünen zog Mazler/ Mühlbach den Pajero von Jakoby aus einer misslichen Lage: Dabei riss das Abschleppseil und zertrümmerte die Heckscheibe vom Nissan WHYD 21, aber alle kamen mit dem Schrecken davon.
Das österreichische Taubenreuter-team Maier/Zach erreichten das Ziel als Tages-Sechste trotz einer gebrochenen Antriebswelle. Eble und Copilot Zeuch hatten mit einem Differentialschaden am Hummer in den Dünen übernachtet und erreichten mit letzter Kraft das Biwak. Der Wagen wurde im Camp in Tembaine in den frühen Morgenstunden repariert.
Brenken und Quel im Landrover Defender blockierte nach einem Differentialschaden die hintere Achse, eine Weiterfahrt war unmöglich und so wurde das Auto auf die „graue Eminenz“, den Besenwagen geladen.
Beide mussten angeschnallt und mit Helm auf der Ladefläche im Auto ausharren. Diese Chauffier-Fahrt war für das Team ein einmaliges Abenteuer.
In der Nacht konnte aufgrund eines heftigen Gewitters eh keiner so recht schlafen und so versammelte sich das Fahrerfeld in einem Zelt bei kostenlosem Bier und Cocktails.

6.05.2008 5. Etappe
Tembaine- Douz, 146 Kilometer

Dem Team Malzer / Mühlbach riss 40 km vor dem Ziel der vordere Dreiecks-Lenker ab und mit Mühe und Heckantrieb rettete sich das Team ins Biwak. Glücklicherweise ließ sich bis nachts um drei doch noch ein Ersatzteil auftreiben und die Rallye konnte für das Team um Malzer weitergehen. Den Fahrern Münch/ Delp im Toyota HZJ 74 brach schon zum wiederholten Male die Blattfeder und so mussten sie den Schmied in Douz erneut aufsuchen. Alle Teams kämpften heute mit Defekten ( Blattfedern, Antriebswellen und Fahrwerk) und man hörte im Biwak noch bis spät Nachts fleißige Service-Mannschaften beim Basteln und Reparieren. Auch das Ärzte-Team musste aufgrund der großen Hitze von bis zu über 40 Grad viel arbeiten, eineigen Teams mussten Infusionen gelegte werden.

7.05.2008 6.Etappe
Douz- Douz, 100 Kilometer

Auf dem Rundkurs um Douz erwarteten die Teams schnelle Pisten mit vielen Queds und steinigen Passagen. Das anspruchsvolle Terrain stellte hohe Anforderungen an Navigation und Fahrwerk. Das Team Malzer konnte sich auf den dritten Platz vorarbeiten. Die Renn-Neulinge Kern und Viellechner im Landrover Defender belegten den zweiten Rang mit 6 Minuten Vorsprung vor dem Malzer/Mühlbach. Für Jakoby und Untersteller im Mitsubishi Pajero hieß jetzt das Motto, den ersten Platz zu verteidigen und auf der letzten Etappe schnell aber risikoarm ins Ziel zu kommen.

7. Etappe,
Douz- Nabeul, 60 Kilometer

Am letzten Renntag gab es dann noch einmal schnelle, sandige Pisten für das Fahrerfeld. Malzer/ Mühlbach gaben alles und schafften es auf den kurzen 60 Kilometern auf 38 Sekunden an die Zweitplatzierten Kern/ Viellechner heranzukommen, die auf den letzten 10 Kilometern mit einem schleichenden Plattfuß kämpften.
Sieger der Grand Erg waren wie erwartet Gerald Jakoby und Axel Untersteller. Von 22 gestarteten Teilnehmern erreichten 17 Teams das Ziel in Nabeul.

Fazit:
Organisations-Chef Jörg Russler hat mit der vierten Grand-Erg Rallye wieder einmal sein Rennleitungs-Talent bewiesen! Ein sehr eindeutiges festgeschriebenes Reglement, das keine Diskussionen zuließ und Russlers Anspruch, sich an den großen Profi-Rennen zu orientieren machten Die Grand Erg zu einem erstklassigen Rennerlebnis.
Auch der kurzfristig zum Einsatz gekommene Plan B konnte den geregelten Ablauf des Rennens nicht erschüttern. Bei der sehr homogenen Auswahl der gesamten Streckenposten hatte er ein gutes Händchen, stets waren sie pünktlich und zuverlässig an Ort und Stelle.
Karl Schreck, der im Hintergrund für das Catering und den Aufbau der Biwaks sorgte, machte ebenfalls einen sehr guten Job. Sogar über eine Abkühlung im Swimmingpool in Tembaine konnten sich die Teilnehmer freuen, was Erinnerungen an die UAE-Desert-Challenge weckte. Immer im Einsatz waren auch die fünf Ärzteteams, bestehend aus 4 Geländewagen und einem LKW, die mit einem Arzt und einem Rettungssanitäter besetzt waren. Die professionellen medizinischen Teams rund um Dr. Simon Hopf positionierten sich an den wichtigen Kontrollstellen und erkundigten sich über die gesamte Rallye jeden Tag nach dem befinden jedes einzelnen Teilnehmers.
Einziger Wehrmutstropfen war der zum Teil undankbare Umgang einzelner Teilnehmer mit dem von Boecken gesponserten Wasser: Die Flaschen wurden teils nur angetrunken und das wertvolle Nass achtlos in den Biwaks liegengelassen. Einige Teams schienen die Großzügigkeit der Wasserausgabe zu sehr auszunutzen und als selbstverständlich anzusehen.
Es ist zu hoffen, dass es im nächsten Jahr noch mehr Sponsoren und Teilnehmer zu diesem außergewöhnlich professionellen Rennspektakel nach Tunesien zieht.

Uwe Hevert

ENDERGEBNIS:
1 Jakoby/ Untersteller Mistubishi 22:23:44
2 Kern Viellechner Landrover 23:47:03
3 Malzer/Mühlbach Nissan 23:47:41
4 Steiner/Cavadini Toyota 26:34:29
5 Körber/Mock AMG 26:34:29

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