Motor & Sport

Grand-Erg-Rallye 2007

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140-köpfiger Tross stellt sich der Herausforderung und durchquert die Wüste Tunesiens mal auf eine ganz andere Weise

Schade, dass sie schon vorbei ist:
Die aufgrund der letztjährigen Lob-Orgien mit Hochspannung erwartete 3. Rallye GRAND ERG kehrte am 13.05. als Fortsetzung der Erfolgsstory auf europäischen Boden zurück. Egal, ob Rallye-Rookie, FIA-Pilot oder Dakar-erprobter Journalist, man war sich einig: die hochgesteckten Ziele wurden mehr als erreicht. Straffe Organisation, abwechslungsreiche Strecken, höchste Sicherheitsstandards, perfektes Roadbook plus die vielen kleinen Gimmicks am Rande (Wer hat denn vor dieser Veranstaltung schon mal ein Fahrerlager in der Wüste mit eigens herangeschafften Toiletten und sogar Duschen gesehen???) sorgten dafür, dass ein jeder auf seine Kosten kam und eine spannende Rallye-Woche mit jeder Menge Spaß und Action erleben durfte.

Hier nun eine chronologische Zusammenfassung der Etappen und Geschehnisse:

1. Etappe: La Goulette - Matmata

Gesamtstrecke: 430km

Diese Strecke wurde als Gleichmäßigkeitsprüfung gewertet um die Startreihenfolge zur ersten „echten“ Wertungsetappe am nächsten Tag festzulegen. Es sollte in Vorgabezeit ins Ziel gefahren werden. Dies schafften Jakoby/Untersteller und Boecken/Boecken/Funke.
Cheforganisator Jörg Russler nutzte das Briefing am Abend um alle Fahrer für die kommenden Tage noch mal zu motivieren.

Tagessieger: Gerald Jakoby/Axel Untersteller mit Mitsubishi Pajero.

 

2. Etappe: Matmata - Douz

Gesamtstrecke: 128km

Diese Etappe diente zum Warmfahren. Ein navigatorisches Pisten-Labyrinth als auch schwierige Queds (Wadis) waren zu meistern. Es waren also hohe Anforderungen an die Navigatoren gestellt. Viele Teams durchfuhren nicht alle Kontrollpunkte, da sie sich nicht ans Roadbook hielten, was zu etlichen Strafstunden führte.
Durch den, für Mensch und Maschine anspruchsvollen Mix aus verschiedensten Gelände-Arten waren dann abends in Douz viele Reparaturen an den Autos, unter anderem von dem Mitsubishi Pajero der Gebrüder Jäger, nötig.

Tagessieger: Gerald Jakoby/Axel Untersteller mit Mitsubishi Pajero.

3. Etappe: Douz – Ksar Ghilane - Douz

Gesamtstrecke: 167 km

Diese Route führte das Starterfeld von Douz querfeldein nach Ksar Ghilane und ca. 20km versetzt wieder zurück. Hier wird wieder einmal der hohe Anspruch der GRAND ERG deutlich, da die Hälfte dieser Strecke vor wenigen Jahren noch die Königsetappe aller einschlägigen Amateur-Rallyes war. Die Strecke bietet einen stetigen Wechsel aus Pisten, welche sich später im Sande verlieren und kleinen wie großen Dünen. Also ist jeder und alles gefordert: die Navigation des Beifahrers, das Adlerauge des Fahrers und dann entweder ein guter Kompressor oder ein reichlicher Reifen-Vorrat.
Dies ist der erste teil der Marathon-Rallye mit parc fermé und Serviceverbot, also ein weiterer Grund für fahrerische Brillianz. Angenehmer Nebeneffekt waren hier am Abend die Thüringer Bratwürste und das Freibier vom Catering-Service um Rallye Mitbegründer Karl Schreck.
Einige Fahrer wurden wegen Maximalzeit-Überschreitung aus dem Rennen genommen. Dies erzeugte sehr viel Missmut. Rallyeleiter Jörg Russler hielt das Reglement strikt ein:
„Während der Veranstaltung am Reglement zu ändern ist tödlich: Heute meckert der Eine, morgen ändern wir dann für den Nächsten usw. Das geht nicht, dann können wir ja gleich den Gesamtsieg meistbietend versteigern!!! Natürlich ist es ärgerlich, wenn man sich den ganzen Tag durch die Wüste ackert und dann2 Minuten zu spät am Checkpoint ankommt. Aber zum einen ist 2-Minuten-nach-12:00 eindeutig nicht 12:00 und deadline ist deadline. Zum anderen galten für alle Teams die gleichen Voraussetzungen und die Tatsache, dass gut ein Drittel der Teams innerhalb der Zeit lag, zeigt, dass die Aufgabe lösbar war. Außerdem darf man auf einer Veranstaltung, die sich Rallye und nicht Bildersuchfahrt nennt, wohl ein bisschen Zeitdruck aufbauen.“

Nach einer Besprechung zwischen Fahrer-Verbindungsmann Thomas Krumey und Rallyeleitung wurde dann seitens der Rennleitung dennoch die Flexibilität bewiesen, die Maximalzeiten der folgenden Etappen entsprechend den derzeitigen Bedingungen zu prüfen und zu verlängern.

Tagessieger: Ulrich Müller/Caren Müller mit G3 Mercedes Ben GE Station kurz.

4. Etappe: Douz – Ksar Ghilane – Bir Aouine

Gesamtstrecke: 176km

Eröffnet wird der Reigen mit einer anspruchsvollen Offroad-Wadi-Passage, um den Fahrer aufzuwecken. Zwischendurch dann ein wenig Navigation seitens des Beifahrers dazu und schon ist die gesamte Besatzung warm für die folgende Schaufel-Orgie: wunderbare Dünen, in denen sich auch der spontane Steckachsen-Wechsel ganz idyllisch durchführen lässt...;o)
Nach ca. Hälfte der Gesamtstrecke ist dann das Hauptpensum an Leibesertüchtigung erbracht und die Etappe setzt sich bis Bir Aouine mit etlichen Highspeed-Passagen á la libysche Hochebene und einigen Trial-und Navigations-Teilstücken fort.
Es gab ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Landrover-Defender-Team Brenken/Quehl und den Österreichern Bäcker/Swoboda. Brenken/Quehl holten schließlich den Tagessieg ein.
Nicht ganz so glücklich endete die Etappe für das Team Nakatanenga, deren Fahrzeug die Außenübernachtung wohl nicht abwarten konnte und sich durch einen glatten Schien-und Wadenbeinbruch der Hinterachse den Platz fürs Extra-Camp ohne Rücksprache mit Fahrer oder Navigator selbst aussuchte. Auch hier konnte nach Rücksprache mit dem Veranstalter am nächsten Tag durch das Team Daktec so weit notgeschweißt werden, dass der 110er Defender zumindest waidwund, aber auf eigener Achse, zurück nach Europa humpeln konnte, auch wenn die Rallye damit für sie beendet war.
Am Abend erwarteten die Teilnehmer ein Fahrerlager in der Wüste, welches für eine echte Sensation sorgte: neben den für alle Teilnehmer in Anspruch nehmenden Physiotherapie- und Massageservice und den herangeschafften Toiletten gab es sogar eigens aufgebaute Duschen!!
Hinzu kam noch ein kulinarischer Leckerschmaus wie Steaks, Würste, Salate und natürlich wieder Freibier, von Logistik-und Catering-Chef Karl Schreck. Dieser äußerte sich zu den spitzen sanitären Anlagen wie folgt:

„Bei einem Camp von 140 Leuten geht es einfach nicht, dass jeder sein Geschäft in der Pampa verrichtet, spätestens der zwanzigste müsste dann ein echtes Minenfeld passieren. Aus diesem Grund war seit Planung der Rallye klar, dass wir irgendwie Toiletten hierher bekommen müssen. Naja, und die Sache mit den Duschen sollte halt noch das Sahnehäubchen sein...“

Die Stimmung wurde etwas von dem morgigen Tag getrübt. Die Königsetappe bzw. die Angstetappe musste überwunden werden.
Jedoch waren die Sorgen der Fahrer unberechtigt.

Tagessieger: Franz Brenken/Andreas Quehl mit Landrover-Defender 90.

5. Etappe: Bir Aouine – Douz

Gesamtstrecke: 180km

Die Königsetappe von Bir Aouine über den in vielen Foren als unerreichbar mystifizierten Dünensee und den Tafelberg Tembaine nach Douz wurde durch den, zum Glück nicht im Biwak, einsetzenden Regen in der Nacht quasi zur Autobahn. Der Sand war dermaßen fest und somit relativ leicht zu befahren. Alle Autos bezwangen diese Etappe, die Schnellsten in 7 Stunden. Die Österreicher Müller/Bauer waren die einzigen Havaristen des Tages. Sie verloren ihre Vorderachse, was jedoch noch in der Nacht behoben werden konnte.

Tagessieger: Franz Brenken/ Andreas Quehl mit Landrover-Defender 90.

6. Etappe: Douz - Douz

Gesamtstrecke: 81km

Diesmal gibt es einen kleinen Rundkurs um Douz. Dieser wird weitestgehend ohne GPS-Koordinaten als Navigations-Prüfung nach Roadbook gefahren. Es ging los mit ein paar Kilometern Dünen entlang eines versandeten Wadis, gefolgt von einer weiteren Passage Pisten-Navigation, gespickt mit einigen haarsträubenden Trial-Abschnitten. Jörg Russler dazu: „Dass auch diese kurze Speziale sowohl fahrerisch als auch navigatorisch sehr anspruchsvoll sein kann, das war klar, aber dass mir am Ziel der Etappe Leute die Hand schütteln und sich für die tolle Etappe bedanken, das hätte ich nun nicht unbedingt erwartet.“

Das deutsch-schweizerische Team Henning/Leardi gewann diese Etappe mit 8 Minuten Gesamtvorsprung.

7. Etappe: Douz – Nabeul

Gesamtstrecke: 76km

Zur Entscheidung haben sich die Organisatoren wieder eine reizvolle Kulisse ausgedacht: Auf der Strecke von Douz nach Nabeul lauert die letzte Speziale. Nicht ganz einfach für Navigator und Material, da es eine abenteuerliche Passage zwischen zwei Bergketten auf uralten Pisten, die teils schnell zu fahren sind, teils aber mal wieder den Trial-Freund fordern, gab.
Auf der Strecke gab es ein Herzschlag-Finale zwischen den Teams Henning und Jakoby.

Sieger wurden schließlich Frank Henning und Ulrich Leardi mit ihrem Toyota Landcruiser J9.
Zweite wurden Jakoby/Untersteller und den Drtten Platz belegten Brass/Krumey im Landrover-Defender 110.

Was für ein spannendes Rennen, welches noch abschließend mit einer riesigen Beachparty gekrönt wurde. Zuvor wurden alle Fahrer im Aldiana-Club von Hotelchef Phillipe Amstutz höchstpersönlich, mit allen Hotelgästen empfangen.


Alles in allem war die 3. GRAND ERG eine super Gaudi, „die Amateur-Rallye der Zukunft.“

Gesamtergebnis (PDF)

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