BAJA Madrid-Zaragoza SPANIEN 2007
Kopf an Kopf Duelle und Spannung bis zur letzten Minute
Doch nicht das fahrerische Können, sondern die Kommissare entschieden das Rennen.
Prolog, 19.Juli, Circuito del Jamara, 4,5 Kilometer
Autos: Die 123 Autoteams legten beim Prolog in Madrid auf der Strecke parallel zur Rennpiste des Circuito del Jamara 4,5 Kilometer zurück. Schnellster war Stephane Peterhansel, dessen Teamkollege Nani Roma den 2.Rang belegte. Der Schotte Colin Mc Rae und sein AlgoDyne Green Power Racing Team von x-raid kam mit 5 Sekunden Rückstand auf den Führenden als dritter Fahrer ins Ziel. Das ORC-Team, das im Mercedes ML Evo II überraschend sogar den spanischen Vorjahressieger um eine Platz Jozef Sykora um einen Platz überrundete, bestand aus Jens Winkelhock, dem Neffe des bekannten Rennfahrers Manfred Winkelhock und seinem Copiloten Jürgen Mayer, ehemaliger KTM-Werksfahrer. Das Team Amadeus Matzker/Coen Therhorst brachte es mit dem neuen Land Rover Defender auf den 59.Rang. Die Basis des Defender wurde in der eigenen Firma (Matzker KFZ -Technik,Köln ) neu aufgebaut mit einem neu entwickelten HP-Suspension-Fahrwerk und einer katalytischen Abgasreinigung und somit den neusten Umweltkriterien entsprechend. Die diesjährige Baja war die Feuertaufe für das neue Auto.
Eine überraschende Kontrolle der F.I.A.- Kommissare brachte am Donnerstagabend noch einmal Aufregung: Helme, feuerfeste Handschuhe, Overalls und Gurte, sie alle mussten den neuen F.I.A.-Normen entsprechen, was für viele Fahrer bis dato unbekannt gewesen war. So mussten viele Teams, die noch ihre alte Bekleidung mit an den Start gebracht hatten, mit Geldstrafen bis zu 500 Euro rechnen, so auch das Team Matzker: 200 Euro flossen in die Kasse der F.I.A. Für das ORC-Team hieß es noch an diesem Abend, neue Unterwäsche zu kaufen.
Motorräder: Auf die Strecke gingen 149 Motorräder, darunter startete für Luxemburg Chris Beneke, der mit seiner Sherco 450, die aus dem Trailsport kommt und das einzige Rallyemodell von Sherco ist, auf Platz 75 fuhr. Der erste Platz ging an Jose M. Pellicer auf einer KTM EXC 525, dicht gefolgt von Gerard Farres mit der KTM EXC 540. Marc Coma, KTM-Werksfahrer belegte mit seiner KTM Baja 690 den 4. Rang. Die KTM ist ein einzylindriger Prototyp, den Coma bei diesem Rennen testete. Einziges Handicap ist das Gewicht der Maschine, die in schnellen Passagen zwar ordentlich Tempo machen kann, es aber in kurvenreichen Streckenabschnitten erschwert, der Konkurrenz auf den Fersen zu bleiben.
Gespanne: Nur ein einziges Gespann wagte sich bei der diesjährigen Baja an den Start: Fritz Bullert und Hans Werner Bauss aus Deutschland machten sich auf den Weg, wurden jedoch schon während des Prologes abrupt ausgebremst: Mitten auf der Strecke ging die Maschine aus, ein Fehler in der Elektrik, der zum Glück rechtzeitig repariert werden konnte. Dennoch rollte das Gespann schließlich als letztes über den Zielstrich, immerhin noch in der Maximalzeit.
LKWs: Für das deutsche Sport+Bike Walcher-Team ging es mit dem Unimog U 500 auf die Strecke. Insgesamt sieben LKWs gingen am Donnerstag an den Start. Im Prolog lief es gut für die Schwaben, das Trio aus Fahrer Gerhard Walcher und den Copiloten Stefan Niemz und Markus Walcher landeten auf Rang 5 und war motiviert, „in den nächsten Tagen weiter nach vorn zu fahren“, so Gerard Walcher.
1.Etappe, 20.Juli, 204,67 Kilometer zwischen Santa Maria de Huerta und Almenar de Soria
Autos: In der ersten Wertungsprüfung legte Mc Rae in seinem BMW X3 CC das Tempo vor und gewann das Teilstück mit 43 Sekunden vor Peterhansel und 1:09 vor Nani Roma. Auf dem 5.Platz landete der Vorjahressieger Jozef Sykora. Amadeus Matzker schaffte es auf den 67.Rang, aber das Duo Winkelhock/Mayer musste das Rennen aufgeben: trotz ausgeschilderter Rennstrecke und gutem Roadbook fuhren sie einen Linksabzweig anstatt des vorgesehenen Rechtsabzweiges.
Beim Versuch wieder auf die reguläre Strecke zu kommen, traf das Auto einen Stein. Das ORC-Serviceteam ging mit 2 LKW inklusive Anhänger auf die Suche nach den Havaristen. Am Nachmittag traten sie wegen des defekten Wagens die Heimreise Richtung Ostfilden an.
Motorräder: Wie auch schon am Vortag konnte Jose M. Pellicer das Rennen für sich entscheiden. Mit 12 Sekunden Rückstand kam anschließend Marc Coma ins Ziel. Chris Beneke, der auf den 72. Rang fuhr, kämpfte während der Fahrt mit Ölproblemen: sobald er mit Vollgas fuhr, entwich stetig Öl durch die Motorentlüftung und sein Serviceman Thorsten fröhlich musste sich darum kümmern, dass das Motorrad seines Schützlings bei jeder Servicestelle mit frischem Öl versorgt wurde.
Gespanne: Am zweiten Tag mussten Bullert und Balance- und Navigationstalent Bauss als Letzte an den Start. Sie konnten jedoch an einigen Teams vorbeifahren und kamen schließlich als 125. ins Ziel. Bauss zeigte sich zufrieden über das Rennen, das er als „ zum Glück nicht so staubig“ bezeichnete.
LKWs: Auch die erste Wertungsprüfung bestand das deutsche Team mit Bravour: es winkte der 4. Platz, nachdem die Probleme mit dem Druckabfall im Bremssystem vom Vortag beseitigt werden konnten.
2. Etappe, 21. Juli, 80,52 km zwischen Huesca/Villamayor
Autos: Die Fahrer starteten den Tag mit der kurzen Strecke von 80 Kilometern, die erster Starter und Tagessieger Colin Mc Rae in 56:45 Minuten zurücklegte. Mit einem Rückstand von 51 Sekunden kam nach ihm Verfolger Stephane Peterhansel ins Ziel. Jozef Sykora gab die Fahrt aufgrund technischer Schwierigkeiten frühzeitig auf. Das Team Matzker machte über 30 Plätze gut und stand nun auf Platz 32 der Gesamtwertung.
Motorräder: Während die Autos vormittags auf die kürzere Strecke gingen, nahmen die Motorräder die 252 Kilometer-Etappe in Angriff. Wiederum hatte Jose M. Pellicer die Nase vorn und Marc Coma musste ihm 25 Sekunden Vorsprung gewähren. Der Luxemburger Chris Beneke erkämpfte sich den 50. Platz Die beiden Spitzenreiter lieferten sich ein heißes Kopf- an Kopfrennen, bei dem der KTM Werksfahrer am Ende den Kürzeren zog. Auch seinem Konkurrenten Pellicer war die gute Leistung von Coma aufgefallen:“ Ich fahre absolut am Limit. Nachdem ich zweimal gestürzt bin, war ich tierisch nervös. Am Ende konnte ich den Abstand zu Coma kaum verringern und die letzten 20 Kilometer waren sehr hart. Coma’s KTM ist schneller als meine und da musste ich mehr auf Risiko fahren, um ihn zu besiegen.“ Marc Coma zeigte großen Kampfgeist: „Der ganze Schlamm hat das Rennen erschwert. Aber es hat Spaß gemacht! Noch ist alles offen, jeder kann gewinnen, schließlich ist das Rennen noch nicht vorbei. Jetzt kann ich mir keine Fehler mehr erlauben und muss Pellicer weiter unter Druck setzen!“
Gespanne: Nichts ging mehr und das bereits vor dem Start: Bullert und Buass bekamen das Gespann am Beginn der zweiten Etappe nicht mehr gestartet und der Fehler ließ sich auch vom Serviceteam nicht finden. Vermutet wurde zwar ein Defekt an der Lichtmaschine aber es half letzten Endes alles nichts: Enttäuscht musste das deutsche Duo die Heimreise antreten.
3. Etappe,21. Juli, 252,80 km zwischen Lécera und Zaragoza
Autos: Am Nachmittag galt es dann die längste Strecke der Baja zu überwinden. Nach 252 Kilometern eroberte das Mitsubishiteam um Peterhansel die Führung zurück, fuhr gleichzeitig mit dem Teamkollegen Roma über die Ziellinie und verwies Colin Mc Rae und Copilotin Tina Thörner mit 33 Sekunden auf den dritten Platz. Den 46 . Rang eroberten sich Amadeus Matzker und Copilot Terhorst.
Motorräder: Am Nachmittag wurde das Terrain mit den Autofahrern getauscht und wieder triumphierte Josef M. Pellicer auf den rund 80 Kilometern. Coma musste wegen Bremsproblemen auch Gerard Farres an sich vorbeiziehen lassen, der sich über den 2.Platz freute: „ Weil Coma Probleme hatte, konnte ich ein paar Sekunden gegen ihn wieder gutmachen und jetzt ist ein zweiter Platz in der Gesamtwertung wieder in greifbare Nähe gerückt. Aber das wird keine leichte Aufgabe.“ Auch Coma gab sich keineswegs geschlagen: „ Morgen werde ich Vollgas geben und versuchen, das Rennen zu gewinnen!“ Auf der holprigen und löchrigen Strecke schafft es Chris Beneke am Nachmittag auf den 28 Platz.
LKWs: Das Tagesziel des Walchertrios auf diesen Streckenabschnitten war die Verteidigung des 4. Platzes vor den Verfolgern. Mit einem 10-Minuten Polster machte man sich auf den Weg, aber die Schwierigkeiten mit der Druckluftversorgung dämpften den schwäbischen Enthusiasmus. Durch einen Druck Abfall von normal 16 Bar Druck auf unter 6 Bar wurde die automatische Handbremse ausgelöst: totaler Stillstand. Dennoch konnte das Unimog-Gespann einen Vorsprung von 2 Minuten ins Ziel retten. Den Kampfeswillen hatte Copilot Stefan Niemz dennoch nicht verloren: „Wir werden morgen noch mal alles geben! Ganz so einfach geben wird den Platz nicht mehr her.“
4. Etappe , 22.Juli , 252 km zwischen Lécera und Zaragoza
Autos: Vortagessieger Peterhansel startete von der ersten Position ins Rennen, dicht gefolgt von Colin McRae. Während der Strecke wechselte die Führung mehrmals zwischen den beiden Favoriten auf den Sieg. Letzten Endes schafft es das Mitsubishiduo schließlich, den Schotten abzuhängen und erreichte mit unglaublich knappen 52 Sekunden Vorsprung das Ziel. Seine gesamte Fahrtzeit über die drei Tage betrug knapp neun Stunden.
Der neue BMW X3 hat laut Teamchef und Fahrer Colin Mc Rae auf ganzer Linie überzeugt. „ Trotz des für diese Offroadfahrzeuge hohen Gewichts, zeigt sich der X-raid BMW nicht nur in schnellen Passagen sondern gerade auch in engen Kurven erstaunlich stabil.“, so McRae. Voll des Lobes war X-raid Teamchef Sven Quandt auch für sein neues Powerduo:“ Dass Colin und Tina im noch ungewohnten Diesel-BMW hier gleich das Tempo der Dakar-Sieger mitgehen und mit Stephane Peterhansel und Nani Roma um den Sieg kämpfen, ist schon eine besondere Leistung!“
Motorräder: Noch einmal ging es am Sonntag auf die 252 lange Strecke vom Vortag. Zunächst zeichnete sich ein ganz normaler Rennverlauf ab: Marc Coma und Jose M. Pellicer setzten sich bald an die Spitze und lieferten sich erneut eine heiße Verfolgungsjagd im spanischen Staub. Im Ziel hieß der Sieger der 4.Wertungsprüfung mit 47 Sekunden Vorsprung dann Marc Coma, der Gesamterfolg der Baja jedoch ging an Jose M. Pellicer. Bei der Siegerehrung um 13.00 Uhr standen die beiden Konkurrenten auf dem Treppchen und genossen sichtlich ihren Erfolg.
Nach der Zeremonie wendete sich urplötzlich das Blatt, als um 14.00 die offizielle Ergebnisliste veröffentlicht wurde: Es stellte sich heraus, dass Pellicer auf der langen Etappe am Samstagvormittag eine Durchgangskontrolle übersehen hatte- dies hatte eine saftige Anzahl Strafminuten zur Folge, über 75 Minuten schlug die fehlende Kontrolle zu Buche – in der Gesamtwertung fiel Jose M. Pellicer auf Platz 60! Auch Coma erging es kaum besser: der Spanier hatte bei der kurzen Wertungsprüfung am Samstagnachmittag ebenfalls eine Durchfahrtskontrolle versäumt und landete mit seinen Strafminuten auf de, 13. Rang. Lachender Dritter des Eklats rund um die Kontrolldurchfahrten war dann Prologzweiter Gerard Farres. Dem Spanier, der am Ende der Rundfahrt gute 15 Minuten Rückstand auf den Führenden hatte, wurde der Sieg der Baja 2007 zugesprochen.
LKWs: Der letzte Renntag barg für das Walcherteam noch mal eine böse Überraschung: nach brisanter Fahrt verkeilten sich 20 km vor der Ziellinie auf der Fahrbahn liegende Stahlrohre unter dem Unimog, die ein vor ihnen fahrender Truck nach der Zerlegung seines Aufbaus verloren hatte. Die Luft aus den Hinterrädern des deutschen LKWs entwich und durch die zeitaufwändige Reparatur verloren sie kostbare Minuten. Am Ende triumphierte in der Gesamtwertung das spanische Epsilonteam mit ihrem Mercedes Benz 1844 AK und Sport+Bike Walcher mussten sich mit dem 6.Rang begnügen. Dennoch bezeugten alle drei Truckinsassen, dass die Baja Spanien 2007 und ihre knapp 14 Stunden lange Fahrzeit ein grandioses Erlebnis war.
Auto:
| Position | Pilot |
Nationalität |
Copilot |
Nationalität |
| 1 |
Peterhansel, Stephané |
F | Cottret, Jean Paul | F |
| 2 | Roma, Nina | E | Cruz, Lucas | E |
| 3 | Mc Rae, Colin | GB |
Thörner, Tina |
CH |
| 4 | Gameiro, Pedro | P | Figueiredo,Pedro | P |
| 5 | Monterde, Jose L. | E | Lurquin, Jean- Marie | B |
| 6 | Campos,Felipe | P | Freitas,Armando | P |
| 28 | Matzker, Amadeus | D | Terhorst,Coen | NL |
| Marke | Gruppe | Klasse | Zeit |
| Mitsubishi Pajero Evo | T1 | 1 | 8:53:30.0 |
| Mitsubishi Pajero Evo | T1 | 1 | 8:58:45.0 |
| BMW X3 | T1 | 2 | 9:09:22.0 |
| Nissan Navara | T1 | 1 | 9:45:57.0 |
| Nissan Navara | T1 | 1 | 9:54:48.0 |
| Renault Megane | T1 | 1 | 9:56:30.0 |
| Land Rover Defender | T1 | 1 | 11:14:50.0 |
Motorrad:
| Position | Pilot | Nationalität |
| 1 | Farres, Gerard | E |
| 2 | Villarubia, Julian | E |
| 3 | Ferreira,Paulino A. | P |
| 4 | Martinez, Juan | E |
| 5 |
Portoles, Jesus |
E |
| 6 |
Cortes, Manuel |
E |
| 13 | Coma, Marc | E |
| 60 | Pellicer, Jose M. | E |
| Marke | Zeit |
| KTM EXC 540 | 9:24:27.0 |
| GAS FSR 450 | 9:50:47.0 |
| Suzuki LTR 450 | 9:57:36.0 |
| TOT CURSES Baja | 10:02:34.0 |
| KTM EXC 525 | 10:05:53.0 |
| KTM EXC 450 | 10:14:07.0 |
| KTM Repsol | 10:29:12.0 |
| KTM EXC 525 | 13:02:18.0 |
Artikel vom 08.08.2007